Fester Block, nussiges Aroma

Tempeh selber machen

Gekochte Sojabohnen wachsen mit einem Edelschimmel zu einem festen Block zusammen. Tempeh ist das anspruchsvollste Ferment auf dieser Seite – nicht wegen der Handgriffe, sondern weil er konstante 30 °C braucht.

Frischer Tempeh-Block mit weißem Myzel, angeschnitten auf einem Holzbrett

Kurz gesagt

Geschälte Sojabohnen einweichen, kochen, gut abtrocknen, mit Essig ansäuern und mit Rhizopus-Sporen impfen. Dann kommt die Mischung in perforierte Beutel und für rund anderthalb bis zwei Tage bei 30 bis 32 °C an einen warmen Ort. Fertig ist ein fester, weiß durchwachsener Block.

Tempeh – die Eckwerte
Kultur Rhizopus oligosporus als Sporenpulver
Substrat geschälte Sojabohnen; auch Kichererbsen, Lupinen oder Bohnenmischungen
Dosierung 1 Teelöffel Starterkultur je 500 g Tempeh (Herstellerangabe)
Ansäuern 1–2 EL Essig je 500 g Bohnen, im Kochwasser oder danach
Temperatur 30–32 °C, konstant
Dauer 24–48 Stunden, laut Hersteller 36–48 Stunden bei 30 °C
Gefäß perforierte Beutel oder flache Formen mit Löchern – der Pilz braucht Luft
Schichtdicke ca. 2–3 cm, damit die Eigenwärme abziehen kann
Wiederverwendbar nein – die Starterkultur wird je Ansatz verbraucht

Schritt für Schritt

  1. Bohnen einweichenGeschälte Sojabohnenhälften 8 bis 12 Stunden in reichlich kaltem Wasser quellen lassen. Wer ungeschälte Bohnen verwendet, muss die Schalen nach dem Einweichen durch Reiben im Wasser ablösen und abschöpfen.
  2. KochenEtwa 30 bis 45 Minuten kochen, bis die Bohnen gar, aber noch bissfest sind. Weich gekochte Bohnen geben zu viel Feuchtigkeit ab und der Pilz wächst schlechter.
  3. Ansäuern und trocknenEin bis zwei Esslöffel Essig je 500 g Bohnen untermischen. Dann die Bohnen auf einem Tuch oder in der noch warmen Pfanne wirklich trocken bekommen – die Oberfläche darf sich nicht mehr feucht anfühlen. Dieser Schritt entscheidet häufiger über Erfolg oder Fehlschlag als alles andere.
  4. ImpfenBohnen auf gut handwarm abkühlen lassen (deutlich unter 40 °C), dann die Starterkultur gleichmäßig untermischen. Zu heiße Bohnen töten die Sporen ab.
  5. Abfüllen und perforierenIn Beutel oder flache Formen füllen, etwa 2 bis 3 cm hoch. Alle 2 bis 3 cm ein kleines Loch – der Pilz braucht Sauerstoff, sonst bleibt der Block innen roh.
  6. Bei 30 °C fermentierenBackofen mit Lampe, Dörrgerät, Joghurtbereiter oder eine Styroporbox mit Wärmematte funktionieren alle. Nach etwa 24 bis 30 Stunden erzeugt der Pilz spürbare Eigenwärme – ab dann eher etwas kühler stellen, sonst wird es zu heiß.
Die Eigenwärme im Blick behalten

Ab der zweiten Nacht heizt sich der Block von innen selbst auf und kann die Umgebungstemperatur um mehrere Grad übersteigen. Wenn du kein Thermometer im Fermentationsraum hast, ist das die Stelle, an der Tempeh gerne zu warm wird und vorzeitig sporuliert.

Was am Ende dabei herauskommt

Fertiger Tempeh ist ein zusammenhängender Block, der von einem dichten weißen Myzel durchzogen ist. Er riecht angenehm pilzig und lässt sich in Scheiben schneiden wie ein festes Stück Käse. Vor dem Verzehr wird Tempeh durchgegart – gebraten, gedämpft oder frittiert. Roh ist er nicht vorgesehen.

Was schiefgehen kann

  • Der Block bleibt bröselig. Meist zu feucht, zu kalt oder zu wenig Sauerstoff. Bohnen trockener bekommen, Temperatur prüfen, mehr Löcher stechen.
  • Schwarze Flecken. Sporulation durch Reife oder Wärme – essbar, aber ein Zeichen, dass du beim nächsten Mal früher abbrechen oder kühler fermentieren solltest.
  • Ammoniakgeruch. Deutlich überfermentiert. Verwerfen und die Zeit beim nächsten Mal um mehrere Stunden verkürzen.
  • Grüne, blaue oder rosa Stellen. Fremdschimmel. Die gesamte Charge entsorgen, nicht wegschneiden. Mehr zur Unterscheidung.

Was kostet der Einstieg?

Eine Tempeh-Starterkultur mit 15 g kostet rund 15 Euro und reicht laut Hersteller für etwa 10 bis 15 Chargen – das sind je Charge unter zwei Euro für die Kultur, dazu kommen die Bohnen. Komplettsets mit Starterkultur und Sojabohnen liegen bei etwa 39 Euro. Anders als bei Kefir oder Kombucha wird die Kultur hier verbraucht und nicht weitergeführt.

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Häufige Fragen zu Tempeh

Welche Temperatur braucht Tempeh?

Rund 30 bis 32 °C, und zwar konstant über die gesamte Fermentation. Der Hersteller HeldenPilz gibt 36 bis 48 Stunden bei 30 °C an. Zimmertemperatur reicht nicht aus – das ist der Hauptgrund, warum Tempeh als schwieriger gilt als Kefir oder Kombucha.

Muss ich die Sojabohnen wirklich schälen?

Ja. Der Pilz wächst auf der Bohnenoberfläche, und die Samenschale ist für ihn eine Barriere. Bleiben zu viele Schalen im Ansatz, entstehen unbewachsene Stellen. Am einfachsten ist es, bereits geschälte Sojabohnenhälften zu kaufen.

Warum wird mein Tempeh schwarz oder grau?

Schwarze oder graue Flecken sind meist Sporulation: Der Rhizopus bildet Sporen, sobald er reif wird oder es ihm zu warm wird. Das ist normal und der Tempeh bleibt essbar. Anders sieht es bei grünen, blauen oder rosafarbenen Stellen aus – die deuten auf Fremdschimmel hin, und dann gehört die Charge in den Müll.

Wozu der Essig im Tempeh-Ansatz?

Ein bis zwei Esslöffel Essig je 500 g Bohnen senken den pH-Wert. Der Rhizopus kommt damit gut zurecht, viele unerwünschte Bakterien nicht. Das Ansäuern ist die wichtigste Sicherheitsmaßnahme beim Tempeh und sollte nie weggelassen werden.

Wie erkenne ich, dass Tempeh fertig ist?

Der Block ist von einem dichten, weißen Myzel durchzogen und lässt sich als Ganzes anheben, ohne zu zerfallen. Er riecht pilzig-nussig, ähnlich wie frische Champignons. Ein stechender Ammoniakgeruch bedeutet dagegen, dass er überfermentiert ist.