Sauerkraut, Kimchi, saure Gurken

Gemüse fermentieren

Das älteste und einfachste Verfahren auf dieser Seite: Es braucht keine gekaufte Kultur, nur Gemüse, Salz und ein Glas. Die entscheidende Größe ist der Salzgehalt – und die eiserne Regel, dass alles unter der Lake bleibt.

Zwei Gläser mit fermentierendem Gemüse, Sauerkraut und Kimchi, daneben Kohl und grobes Salz

Kurz gesagt

Gemüse wird mit 2 % seines Gewichts an Salz versetzt und luftdicht unter Flüssigkeit gehalten. Die Milchsäurebakterien, die ohnehin auf dem Gemüse sitzen, setzen sich unter diesen Bedingungen gegen alle anderen durch, säuern das Gemüse und machen es haltbar. Eine Starterkultur brauchst du dafür nicht.

Gemüse fermentieren – die Eckwerte
Kultur keine – die Milchsäurebakterien sitzen bereits auf dem Gemüse
Salzgehalt 2 % vom Gesamtgewicht (20 g je kg); Spielraum 1,5–3 %
Methode Trockensalzung für saftiges Gemüse wie Weißkohl: salzen, kneten, eigene Lake nutzen
Methode Salzlake für festes Gemüse wie Gurken oder Karotten: 2–3 % Lake aufgießen
Temperatur 18–22 °C in der aktiven Phase, danach kühl lagern
Dauer aktive Phase 3–10 Tage, sichtbar an Bläschen und Trübung
Reifezeit 1–4 Wochen, Sauerkraut auch deutlich länger
Gefäß Gärtopf, Bügelglas oder Schraubglas – Gas muss entweichen können
Grundregel alles bleibt unter der Lake

Die Salzrechnung

Alle Angaben beziehen sich auf das Gesamtgewicht, also Gemüse plus zugegebenes Wasser. Bei 2 % rechnest du:

Gesamtgewicht Salz bei 1,5 % Salz bei 2 % Salz bei 3 %
500 g 7,5 g 10 g 15 g
1.000 g 15 g 20 g 30 g
1.500 g 22,5 g 30 g 45 g
2.000 g 30 g 40 g 60 g

Eine Küchenwaage, die grammgenau wiegt, ist dabei das nützlichste Werkzeug in der ganzen Fermentierküche. Löffelangaben sind ungenau, weil sich Salzsorten in der Dichte stark unterscheiden.

Sauerkraut: Trockensalzung

  1. Kohl hobeln und wiegenWeißkohl fein hobeln, die äußeren Blätter beiseitelegen. Das Gewicht notieren – danach richtet sich die Salzmenge.
  2. Salzen und kneten2 % Salz zugeben und 5 bis 10 Minuten kräftig kneten oder stampfen, bis der Kohl deutlich Flüssigkeit abgibt. Diese Flüssigkeit ist die spätere Lake – du brauchst kein zusätzliches Wasser.
  3. Einschichten und beschwerenPortionsweise ins Glas geben und jede Lage fest andrücken, damit keine Luft eingeschlossen bleibt. Die Lake muss den Kohl bedecken. Ein beiseitegelegtes Kohlblatt darüber und ein Gewicht darauf halten alles unten.
  4. Aktive Phase abwartenBei 18 bis 22 °C beginnt es nach ein bis zwei Tagen zu blubbern. Das Glas auf einen Teller stellen – austretende Lake ist normal. Gas muss entweichen können.
  5. Probieren und kühl stellenAb Tag sieben mit einer sauberen Gabel probieren. Wenn es dir schmeckt, kommt das Glas kühl. Dort reift es langsam weiter.

Saure Gurken und festes Gemüse: Salzlake

Gemüse, das wenig eigenen Saft abgibt – Gurken, Karotten, Blumenkohl, Bohnen – wird mit einer fertigen Lake übergossen. Dafür 20 bis 30 g Salz je Liter Wasser auflösen und das Gemüse damit vollständig bedecken. Für knackige Gurken hilft es, ein Weinblatt, Kirschblatt oder Eichenblatt mit ins Glas zu geben; die enthaltenen Gerbstoffe wirken dem Weichwerden entgegen. Frische Dillblüten, Knoblauch und Senfkörner sind die klassische Würzung.

Kimchi

Kimchi unterscheidet sich vom Sauerkraut vor allem durch zwei Schritte: Der Chinakohl wird zuerst mehrere Stunden in einer kräftigen Salzlake vorgesalzen und danach abgespült. Anschließend wird er mit einer Würzpaste eingerieben, die typischerweise aus koreanischem Chilipulver (Gochugaru), Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln und einer salzigen Umami-Komponente besteht – klassisch Fischsauce oder gesalzene Garnelen, in der vegetarischen Variante Sojasauce oder Misopaste. Oft kommt ein Klebreismehl-Brei dazu, der die Paste bindet.

Nach dem Einschichten fermentiert Kimchi ein bis drei Tage bei Zimmertemperatur und reift danach im Kühlschrank weiter. Die Lake entsteht durch den Salzvorgang und die Paste; auch hier gilt, dass alles bedeckt bleiben muss.

Salz ist die Bremse

Ob 1,5 oder 3 % Salz ist keine Frage von richtig und falsch, sondern von Geschmack und Jahreszeit. Bei sommerlichen Temperaturen fährt man mit dem oberen Bereich sicherer, weil die Fermentation dann ohnehin schneller läuft. Unter 1,5 % wird es dagegen schnell weich und anfälliger.

Was schiefgehen kann

  • Weißer Film auf der Oberfläche. Fast immer Kahmhefe. Abschöpfen, darauf achten, dass alles unter der Lake bleibt. Unterscheidung zu Schimmel.
  • Weiches, matschiges Gemüse. Zu wenig Salz, zu warm oder überlagerte Ware. Beim nächsten Mal 2,5 % Salz und kühler stellen.
  • Nichts blubbert. Zu kalt oder zu viel Salz. Etwas wärmer stellen und Geduld haben – manche Ansätze brauchen drei bis vier Tage.
  • Fauliger, unangenehmer Geruch. Anders als der typische säuerliche Geruch der Milchsäuregärung. In dem Fall verwerfen.

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Häufige Fragen zum Gemüsefermentieren

Wie viel Salz brauche ich zum Gemüse fermentieren?

Als Standard gelten 2 % Salz bezogen auf das Gesamtgewicht von Gemüse und Wasser – also 20 g Salz je Kilogramm. Der übliche Spielraum liegt zwischen 1,5 und 3 %. Weniger Salz bedeutet schnellere Fermentation und weicheres Gemüse, mehr Salz bremst und hält knackiger.

Muss das Gemüse wirklich vollständig unter der Lake liegen?

Ja, das ist die zentrale Regel. Was über der Lake liegt, hat Kontakt zu Sauerstoff und ist damit die Stelle, an der Schimmel entsteht. Ein Fermentiergewicht, ein kleineres Glas oder ein sauberes Kohlblatt als Abdeckung lösen das Problem zuverlässig.

Wie lange dauert die Fermentation von Sauerkraut?

Die aktive Phase dauert bei 18 bis 22 °C etwa eine bis zwei Wochen. Danach kann das Kraut kühl gestellt werden, wo es über Wochen und Monate langsam weiter reift und milder oder je nach Sichtweise runder wird. Probieren ab Tag sieben ist der beste Weg.

Muss das Salz jodfrei sein?

Empfehlenswert ist Salz ohne Jod und ohne Rieselhilfe. Rieselhilfen können die Lake trüben, und für Jod wird eine hemmende Wirkung auf die Kulturen diskutiert. Meersalz oder Steinsalz ohne Zusätze sind die sichere Wahl.

Warum wird meine Lake trüb?

Trübe Lake ist bei Milchsäuregärung völlig normal und ein gutes Zeichen – sie kommt von den arbeitenden Kulturen. Bedenklich wird es erst bei pelzigen Belägen auf der Oberfläche oder bei fauligem Geruch.