Das genaueste Ferment

Joghurt selber machen

Milch erhitzen, abkühlen, impfen, warm halten. Joghurt ist handwerklich einfach und stellt trotzdem die höchsten Ansprüche an die Temperaturführung – hier entscheiden wenige Grad über fest oder flüssig.

Drei Gläser mit selbst gemachtem Joghurt, Löffel und Thermometer

Kurz gesagt

Milch auf 85 bis 90 °C erhitzen, auf 42 bis 45 °C abkühlen lassen, Kultur einrühren und die Mischung 6 bis 10 Stunden konstant warm halten. Danach mindestens vier Stunden in den Kühlschrank – erst dort bekommt der Joghurt seine endgültige Festigkeit.

Joghurt – die Eckwerte
Kultur Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus
Substrat Kuhmilch; Vollmilch gibt das cremigste Ergebnis
Milch vorbereiten auf 85–90 °C erhitzen, dann auf Impftemperatur abkühlen
Impftemperatur 42–45 °C
Impfmenge Starterkultur nach Packungsangabe oder 2–3 EL Naturjoghurt je Liter
Fermentationstemperatur 42–45 °C, möglichst konstant
Dauer 6–10 Stunden; länger bedeutet saurer und fester
Danach mindestens 4 Stunden kühl stellen – erst dabei wird die Struktur fest
Wiederverwendbar eingeschränkt – Weiterimpfen funktioniert einige Generationen

Schritt für Schritt

  1. Milch erhitzenAuf 85 bis 90 °C bringen und dort etwa 5 bis 10 Minuten halten, dabei gelegentlich rühren. Das verändert die Molkenproteine so, dass sie später mehr Wasser binden – der wichtigste Schritt für festen Joghurt.
  2. Auf Impftemperatur abkühlenAuf 42 bis 45 °C herunterkühlen, im Wasserbad geht das am schnellsten. Zu heiße Milch tötet die Kulturen ab, zu kalte verzögert den Start.
  3. Kultur einrührenStarterkultur nach Packungsangabe dosieren oder 2 bis 3 Esslöffel Naturjoghurt je Liter verwenden. Gründlich, aber ohne starkes Schlagen unterrühren.
  4. Warm halten6 bis 10 Stunden bei möglichst konstanten 42 bis 45 °C. In dieser Zeit nicht rühren und nicht bewegen – Erschütterung stört die Gelbildung.
  5. KühlenMindestens vier Stunden, besser über Nacht in den Kühlschrank. Der Joghurt ist direkt nach der Fermentation oft noch weich und wird erst beim Kühlen fest.
Dicker ohne Zusätze

Willst du griechischen Joghurt, brauchst du keine andere Kultur, sondern nur ein Tuch: Den fertigen, gekühlten Joghurt zwei bis vier Stunden abtropfen lassen. Was im Tuch bleibt, ist dicker Joghurt; was durchläuft, ist Molke.

Pflanzliche Alternativen

Joghurtkulturen für Soja-, Kokos- oder Haferdrink gibt es als eigene Produkte. Der Ablauf ist derselbe, das Ergebnis fällt aber meist dünner aus, weil pflanzlichen Drinks das Milcheiweiß fehlt, das für die Gelstruktur sorgt. Sojadrink liefert unter den Alternativen die festeste Konsistenz, weil er den höchsten Proteingehalt hat. Bei Hafer- und Kokosdrink wird häufig mit Stärke oder Bindemitteln nachgeholfen.

Was schiefgehen kann

  • Bleibt flüssig. Temperatur zu niedrig oder abgefallen, Milch nicht erhitzt, oder zu kurz fermentiert.
  • Sehr sauer. Zu lange gelaufen oder zu warm. Beim nächsten Mal nach sechs Stunden prüfen.
  • Körnig oder wässrig. Meist zu heiß fermentiert oder während der Fermentation bewegt worden.
  • Etwas Molke oben auf. Normal. Einfach abgießen oder unterrühren.

Was kostet der Einstieg?

Joghurtkulturen kosten bei den erfassten Anbietern rund 15 Euro für die klassische und knapp 17 Euro für die vegane Variante; Sets mit Joghurtbereiter liegen bei etwa 60 Euro. Für den Anfang reicht allerdings ein Becher Naturjoghurt mit lebenden Kulturen aus dem Supermarkt – gekaufte Starterkulturen lohnen sich vor allem, wenn du über längere Zeit gleichbleibende Ergebnisse willst.

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Häufige Fragen zu Joghurt

Bei welcher Temperatur wird Joghurt fest?

Die klassischen Joghurtkulturen arbeiten am besten bei etwa 42 bis 45 °C. Unter 40 °C wird das Ergebnis dünn und sehr mild, über 50 °C nehmen die Kulturen Schaden. Konstanz ist dabei wichtiger als der exakte Wert.

Warum wird mein Joghurt nicht fest?

Drei häufige Ursachen: Die Temperatur war zu niedrig oder ist abgesunken, die Milch wurde nicht vorher erhitzt, oder die Fermentationszeit war zu kurz. Auch H-Milch aus einer bereits geöffneten Packung und stark entrahmte Milch geben ein dünneres Ergebnis.

Muss ich die Milch vorher abkochen?

Für Rohmilch und Frischmilch ist das Erhitzen auf 85 bis 90 °C mit anschließendem Abkühlen der übliche Weg – nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern weil die Milcheiweiße dabei verändert werden und der Joghurt dadurch deutlich fester wird. Bei H-Milch kann man diesen Schritt überspringen, das Ergebnis ist dann meist etwas weicher.

Kann ich Joghurt mit gekauftem Joghurt ansetzen?

Ja, mit zwei bis drei Esslöffeln Naturjoghurt je Liter, sofern auf der Packung lebende Kulturen ausgewiesen sind. Der Ansatz funktioniert einige Generationen lang, wird aber mit der Zeit unzuverlässiger, weil sich die Zusammensetzung der Kulturen verschiebt. Reine Starterkulturen liefern über längere Zeiträume gleichmäßigere Ergebnisse.

Geht Joghurt auch ohne Joghurtbereiter?

Ja. Backofen mit eingeschalteter Lampe, eine Thermoskanne, ein Warmhaltebehälter oder ein in Handtücher gewickelter Topf auf der Heizung funktionieren alle – solange die Temperatur über Stunden im Bereich um 42 bis 45 °C bleibt. Ein Thermometer ist dabei hilfreicher als jedes Gerät.